Donnerstag, 5. Februar 2009

Vorbereitung: Zu Fuß, mit dem Fahrrad...?

Warum, zum Teufel zu Fuß weggehen zu wollen, wird jeder Stubenhocker sagen, ist es nicht eine entsetzliche und schrecklich ermüdende Sache? Es ist auch hier eine sehr lange Geschichte… Die Wanderer wissen es alle, ohne es wirklich erklären zu können; Jeder hat seine persönliche Motivierung zu gehen, und findet dort sein eigenes Vergnügen. Man könnte in erster Linie nur die Füsse und ihre Sprinter, die Schuhe erklären, diese sind lange vor den Reifen der Kraftfahrzeuge entstanden und dafür gibt es einen guten Grund.
Aber der Herr, der diese gemachte Selbstgeißelung nicht begreift, die Blasen verursacht und Gliederschmerzen hervorruft wird sich für das Fahrrad entscheiden. Es erlaubt schneller vorwärts zu kommen und weniger zu ermüden... Dann die schweißtriefende Krone, die auf der Stirn unserer tapferen Radfahrer perlt, sie erreichen den Gipfel de L'Aubisque, erlauben Sie mir, daran zu zweifeln…
Dann zweite Frage: Warum schneller gehen wollen? Wird man mehr erfahren als sein Nachbar, wenn man mit 30 Stundenkilo-metern fährt, während besagter Nachbar mit nur 5 km/h langsam vorwärts kommt? Auf den ersten Blick ist die Antwort nein. Man lernt schauend und weniger durch Tempo. Wenn man langsam geht kann man die Dinge gründlich betrachten.
Außer diesen Argumenten, ich gestehe ein altes Gefühl des Grolls gegen das Fahrrad, das ein hinterlistiges und bösartiges Gerät ist, angesichts der Häufigkeit, mit der es mich in jungen Jahren in den Graben geschleudert hat. Ein Spaziergang mit dem Fahrrad funktio-niert gut, aber es ist eine unerlässliche Bedingung, dass die zwei Räder in dieselbe Richtung laufen, und dass das Hinterrad dem Vorderrad folgt und auf dem "Band der Route" bleibt, besagtes Band, das immer zwischen zwei gewaltigen Lücken war und zu Gräben oder Schluchten gezogen wird. Und damit das Bugrad der richtigen Richtung folgt muss man unaufhörlich die betreffende Straße überwachen, was ausschließt, alles anzuschauen was in der Umgebung schön ist, die Landschaft, die Leute, die Häuser, die Tiere…
Ich bin von Natur aus ein gänzlich zerstreutes Individuum und ich stelle mir oft vor, mir zu Fuß die Knochen zu brechen weil ich am Felsen, der den Weg versperrte, oder dem Bromberstrauch, der seine Ranken ausstreckte, nicht aufgepasst hätte. Dann das Fahrrad, für mich ist es die absolute Hölle, Ich habe nicht das tiefe Verlangen, meine Knie auf dem Schotterbelag aufzuschürfen, ... und dann das unausweichliche Augenzwinkern der Kirchtürme unserer Dörfer. Ich meine, ich bin ein großer Bewunderer meiner Radwanderbrüder, für die das Fahrrad die größte Ehre ist und die sich nichts aus plattgesessenen Hintern machen.
Zu Fuß zu gehen ist das natürlichste Verkehrsmittel, das es gibt und das uns eine Geschwindigkeit erlaubt, mit Landschaft und Einwohnern Schritt zu halten. Jean-Jacques Rousseau drückte es sehr nett vor mehr als zwei Jahrunderten aus. Und alle Wanderer werden behaupten: Nach einigen Tagen verschiebt sich die Zeit. Die vergessenen Muskeln sind aufgewärmt und die Ermüdung spürt man nicht mehr. Man nimmt die dreißig Tageskilometer in acht Stunden einfach hin, als ob es ein einfacher Verdauungsspazier-gang wäre. Es ist wahr, wenn der Pfad steil oder steinig und rut-schig ist, quält man sich ein wenig, man fühlt sich steifbeinig, aber die Müdigkeit, die man spürt ist weit entfernt von Erschöpfung. Ich würde sogar sagen: Man fühlt die Tiefen seiner Fasern und hat das Gefühl, einen Körper mit Muskeln zu haben, die schließlich etwas nützen.
Und dann nimmt man das Vergnügen auch wieder wahr, wenn man diesen Weg nach langen Monaten der Sesshaftwerdung1 in un-seren Behausungen nimmt, zu trinken, wenn man Durst hat, zu essen, wenn man Hunger hat, einzuschlafen, wenn man müde ist, sich zu setzen und pausieren, wenn man das Tier ausruhen lassen will... Alles Gefühle, die wir mehr oder weniger seit der verschwun-denen traditionellen ländlichen Zivilisation vergessen haben, seit etwa fünfzig Jahren.
Ich werde an diesem bizarren Mischlingsgerät schnell vorbeigehen, welches man MTB oder geländegängiges Rad nennt. Wer diese Horden der armen Kolonnen nicht gesehen hat, wie sie sich auf teuflischen Steilhängen abmühten, hinter einem Navigationsgerät mit verschwitztem Gesicht rot wie ein Sonnenuntergang, unter dem Vorwand, an einem Tag den Anstieg und die Abfahrt trotz aller Fallen zu schaffen. Hören sie die Drossel? Am Ende des Tages sind die armen Touristen stolz, in der Zimmergemeinschaft die unvergessliche Vision des Vorderrades in Erinnerung zu bringen, welches sich serpentinenartig durch die Steine schlängelte und meilenweit opferbereit ...
Ich denke, daß Mountain-bike ist auf dem Jakobsweg eine vorübergehende Mode, genau wie die Tänze eines Sommers es sind. Ich glaube, die reuigen Mountain-biker werden dieses Gerät der Folter am Abend in ihrer Garage am Nagel der Vergessenheit aufhängen um den Weg zu gehen. Ein Fuß, einer nach dem anderen, in aller Ruhe mit den Augen und den Zehen wieder entdecken, was sie nur mit ihren Reifen zerdrückten.
Auf diesen Pfaden kann man mit einem MTB nur ein oder zwei Tage durchhalten. Ich werde den Beweis in Spanien in der zweiten Hälfte meiner Reise haben. In den ersten Tagen ab Roncesvalles findet man die Spuren der Reifen auf den Feldwegen wieder. Dann verschwinden sie komplett. Die Mountain-Biker schließen sich der Route erst auf den letzten Metern der 750 Kilometer langen Strecke wieder an...
Für uns Wanderer ist es besser und schade für sie, weil sie die schönsten Seiten vom Weg verpassen.
Hingegen befreit das Wandern den Geist von einem Haufen unnützer Sachen und ermöglicht es, in die Landschaft zu horchen, die unter den Schritten und vor den Augen langsam vorbeizieht. Man begegnet selten gestressten Wanderern. Ein Wanderer ist eher nachdenklich oder fröhlich.
Der Pfad ist einer der wenigen Orte in der Welt, wo sich zwei Individuen treffen, die sich nicht kennen und sich noch "Guten Tag" sagen und manchmal stehenbleiben, um einige Wörter auszu-tauschen, ohne die Welt der anderen zu behindern oder jemanden in Verlegenheit zu bringen. Warme Gastlichkeit aus früheren Zeiten ... Es ist richtig, dass man selten zwei Autofahrer in ihrem Fahrzeug sieht, die an einer Autobahntankstelle halten um die Lerche zu be-trachten, die darüber hinweg schwebt. Andererseits kann man sich das monumentale Konzert der Hupen leicht vorstellen, das zwei Träumer einhüllt, die ein Magengeschwür bestimmter Ungeduldiger verursachen, weil diese in ihrem Schwung blockiert sind und ihr Auge auf die Tankuhr geheftet haben, weil sich ihr Fuß dazu ent-wickelte, auf dem Gaspedal festgenagelt zu sein.
Ein Wanderer ist wie eine Wolke, die am Himmel an einem schönen Sommertag vorüber zieht. Er schlendert gemütlich von Hügel zu Hügel, profitiert von allem und nichts, lässt nur einen verstohlenen Schatten und die unbeschädigte Natur hinter sich. Dennoch hat er im Vorübergehen ein wenig Wärme erfahren und geht ein wenig reicher wieder weg ins nächste Tal.
Wandern ist ein gewaltloses Annähern an das Land. Wie kann man das subtile Vergnügen beschreiben, das darin besteht, sich einem Dorf zu nähern, dass man an der letzten Quelle aus der Ferne em-porwachsen sah, an der man seine Durst stillte. Das Dorf, das mit jedem Schritt wächst. Dann verschwindet das kleine Dorf hinter einem Wäldchen, das erste Haus zeichnet sich ab, der Pfad schlängelt sich zwischen zwei Steinmauern durch, dazwischen taucht an einer beweglosen und friedlichen Stelle die Kirche und der Friedhof auf.
Wir waren hier lautlos angelangt, wir setzen uns hinter den Brunnen, wir wünschen guten Tag an die vorbeikommenden Einheimischen und werden fast adoptiert.
Das Ankommen mit dem Auto auf dem Platz desselben Dorfes lässt mich an die Landung eines Flugzeuges auf der Klaviatur eines Klaviers denken. Die Ankunft zu Fuß erinnert an eine subtile Annäherung, bedeutend, kaum hörbar, die so moderat ist, dass sie noch nicht einmal das Rotkehlchen durcheinander bringt, das sein Festessen aus den Krümeln zu den müden Füßen kostet.
Diese Dörfer und ihre Einwohner sind das Gedächtnis der Geschichte und ihre Geheimnisse entschleiern sich nur denjenigen, die kommen und sie in derselben Langsamkeit ablesen wie sie.
Und dann muss man sich wirklich dazu bekennen, zu Fuß zu gehen und im Inneren sich als Landstreicher wiederzufinden, der unter dem Lack der Zivilisation schlummert. Für diejenigen, welche die Chance hatten außerhalb der Städte aufzuwachsen, sind die schönsten Momente der Kindheit nicht diejenigen, in denen man herumlungerte um nichts auf den Feldern und in den Wäldern zu machen, sondern Brombeeren zu essen und nach den Hühnern zu laufen, Zweige der Bäume zu schneiden und die Bäche zu überspringen? Zu Fuß zu gehen ist auch auf den Spuren seiner Kindheit wieder zu gehen.
In den Jahrhunderten waren die Wege immer mit Landstreichern aller Kategorien überfüllt, Menschen, die der bestehenden Ordnung mit den Polizisten und seinen Steuern, der mürrischen Ehefrau, der neidischen Herrin auswichen, aus dem Regiment desertierten oder den Gutsverwalter betrogen. So sehr, dass das Delikt der Landstreicherei in zahlreichen Ländern sehr lange existierte.
Jedes Individuum, das kein Heim, keine Arbeit besaß, also nicht in ein Register aufgenommern werden konnte, was für immer die Existenz der Leute vergiftet hatte, war notgedrungen ein Landstreicher, bockendes Dienstmädchen, Hühnerdieb, Brandstifter der Scheunen, mit Sicherheit Heiden, ja sogar ein paar Zauberer, vielleicht sogar ein Mörder, der infolgedessen von der Gendarmerie gejagt und im Schatten eines Mastes einer Galeere erhängt werden sollte, damit die Gesellschaft der ehrlichen Leute sich in den Spiegel schauen und als vollkommen erkennen konnte.
Heutzutage spricht man von "marginal". Das Wort ist übrigens sehr schön. Es erinnert daran, dass die Seite einer Tatsache innerhalb eines Spielraums begrenzt und nie frei ist, daß sie immer im All mehr oder weniger breit fortbesteht, damit die Transformation geschieht. Und du erhoffst, dass dieser Raum das Territorium ist, um dort zu gedeihen und denkst, nicht anderswo leben zu können.
Schaut euch das Watt einer Küstenlandschaft an, das heißt den Teil, der durch die Ebbe aufgedeckt wurde. Es ist weder Meer noch wirkliche Erde. Die Wesen, die dort leben, sind nicht wirklich Fische, noch gehören sie zu den Wiederkäuern. Und dennoch besteht diese Zone mit diesen Kreaturen, darunter ist das Königreich der Krabben, Strandschnecken, Meeresvögel. Sie sind genauso schätzenswert wie der Zackenbarsch oder die Eidechse.
Ohne Randgruppen gäbe es dort keinen Spielraum. Ohne Spielraum gibt es nicht einen Unterschied zwischen den Welten und die Gleichmäßigkeit wäre zweifellos sehr trist.
Spanien, wohin der Pfad mich führen wird, ist ein Territorium, wo die Landstreicherei jeder Art der goldenen Jahrhunderte blühte... Diese Individuen sind sogar die Helden einer schelmischen Romanliteratur geworden.
Desertierende Soldaten, ehemalige Matrosen, falsche Pilger, Bettler, bildeten den Spielraum der glänzenden spanischen Zivilisation. Jedes Jahrhundert erzeugt seine eigenen Überreste, jede Sonne wirft ein anderes Licht, jedes Brett seine Späne. Der Außenseiter sieht die Welt in einem anderen Licht, aus einem anderen Winkel, einer der nicht aus Büchern lernt.
Denn zu Fuß zu gehen ist gewissermaßen während einer begrenzeten Zeit zu vagabundieren, folglich die anderen aus einem anderen Blickwinkel zu beobachten und sich seine eigene Meinung schaffen, aber ohne sich wirklich zu entscheiden, reicher und toleranter zurückzukommen.

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