Donnerstag, 5. Februar 2009

Vorbereitung: Kleine Kartenlehre

Es gibt für Wanderer zwei bestimmte Werke, die den Jakobsweg beschreiben. Das erste Buch behandelt den französischen Abschnitt von Puy nach Roncesvalles. Das zweite den spanischen Abschnitt von Roncesvalles nach Santiago. Diese Werke sind klassische topo-Führer, in denen die Strecke beschrieben wird. Aber es sind auch Bücher, die Geschichte und die kulturelle Entwicklung genau erklären.
Man findet dort die Beschreibung der wichtigsten Denkmäler und die Anekdoten des Lebens Unterwegs während dieses letzten Jahrtausends, sowie die zusammenfassenden Hinweise zu Unterkünften.
Dort werden insbesondere, die verschiedenen Unterbringungs-kategorien erwähnt, gemäß der Geldbörse oder dem geistigen Vorankommen des Pilgers, vom traditionellen Hotelwesen mit seinem (teuren) Sterngefolge bis zu billigen, aber spartanischem Empfang in den Klöstern, "Refugios" und den Wanderhütten(les gîte d'etapes).
Die zwei Werke beinhalten eine farbige Reproduktion der IGN-Kartenauszüge, auf denen die Strecke des GR 65 sowie der historische Jakobsweg eingezeichnet sind. Letzterer ist meißtens durch natürliche Entwicklung im Laufe der Geschichte zu einer Bundesstraße geworden, auf der die Quadratlatschen nicht willkommen sind.
Der "Camino" des zwanzigsten Jahrhunderts nimmt sich also einige geschichtliche Freiheiten heraus und borgt sich so oft wie möglich und zur größten Freude des Pilgers einen Pfad, wo er gut mit seinen Füßen durch Staub oder fließendes Wasser schlurfen kann.
Es ist interessant sich an der spanischen Grenze ein "Guia del Peregrino", zu verschaffen, ein Pilgerführer, der eine visuelle Beschreibung der Strecke verschafft und Bezugspunkte markiert, die der Wanderer zwangsläufig antrifft: Quellen, Geschäfte, Kapellen, etc... Man findet dort auch Pläne aller zu durchquerenden Dörfern und Städten mit den wichtigsten Gebäuden und die Orte mit Übernachtungsmöglichkeiten. Diese Hefte sind im Allgemeinen auf spanisch geschrieben, aber der Text ist leicht zu lesen, wenn man bescheidene Brocken der spanischen Sprache beherrscht. Es gibt mehrere " Guia del Peregrino", einige in französischer Sprache und es ist gut schwierig zu sagen, welcher der beste ist.
Achtung: Es ist wichtig zu wissen, dass, egal welcher Führer über den man spricht, ein etwas veraltetes Verzeichnis hinsichtlich des derzeitigen Stand des Weges ist: Einige Abschnitte werden jedes Jahr geändert, es herrscht eine rege Fluktuation der Herbergen und die Mittel zur Restaurierung sind ungewiß.
Es ist ebenfalls wertvoll, sich mit einer Auswahl der Karten der zu durchquerenden Regionen auszustatten. Sind sie sind in einem be-sonderen Topo-guide nachgebildet, spezielle Auszüge der Karten im Maßstab 1/25.000 oder in 1/50.000, denn sie sind speziell so plaziert, daß man sie ohne Schwierigkeit im Vergleich zur Region einordnen kann. Wenn zum Beispiel in der Beschreibung der Satz "nach 7 km Unterkunft im Dorf Saint-Révérend-les Artichauds möglich" steht, hat man jede Menge Chancen, daß dieser ersehnte Ort außerhalb des Kartenauszuges liegt, der in dem Führer nach-gebildet ist und man weiß weder, wie man dort hingelangen kann, noch kennt man den kürzesten Weg zurück zum Pfad. Also nehme ich mir die Karten des Nationalen Geografischen Institutes 1/100.000 oder die Karten von Michelin 1/250.000 mit. Zusammen ermöglichen sie es, sich die Strecke vorzustellen und zeigen die Position der Städte, Dörfer, Bushaltestellen und Bahnhöfe.
Eigene Karten zu besitzen ermöglicht, die Reiseroute zu ändern, wenn Strecke, die der Führer zeigt oder in der Region ausge-schildert ist, nicht erwünscht ist. Manche Wege können zwischen dem Druck der Karte und dem Augenblick verschwunden sein, in dem du deine Schuhe dort spazieren führst. Oder, was leider oft kommt, die Pfade können durch ein dichtes Netz aus Stachel-drähten sein. Die Esel haben die Stacheldrähte nicht gern. Im Gegenteil, und die Begegnung mit einer solchen Schikane zwingt uns, die Schere einzusetzen oder einen Umweg zu machen. Der Besitz eines geografischen Dokumentes erweist sich dann unerlässlich.
Insofern die Wege an Bedeutung aus früheren Zeiten verloren haben und von kleinen Verbindungswegen ersetzt wurden, wurden sie von vielen Bauern in die Felder und Futterweiden integriert. Die fraglichen Stacheldrähte werden nicht dorthin gestellt, um dem Spaziergänger zu schaden, sondern das Vieh daran zu hindern, zu entkommen. Beachte, dass sich dieses Problem der Stacheldrähte vor allem in Frankreich stellt: Die Regierung von Navarra hat in ihrer Weisheit, jedesmal wenn der Weg eine Weide kreuzt große Barrieren installiert, die Wanderer durchlassen, nicht aber für Tiere.
Eine Anzahl von freiwilligen Helfern kreieren und markieren die Reiseroute. Sie versuchen höchstens, Teerstraßen zu vermeiden und erwarten, daß ihnen für diese adelige Absicht gedankt wird. Aber das kann ein Fehler werden. Man findet dann einige Wanderwege, die sich um beide Seiten einer Landstraße herum-schlängeln, indem sie hübsche Umwege von einem Wald-Trimpfad zu anderem machend, weil sich der Bakenmeister1 fest vorge-nommen hat, keine Teerstraße zu streifen. Das Ergebnis ist eine Reiseroute von zehn Kilometer, da, wo fünf genügt hätten. Eine IGN-Karte in den Händen zu halten ermöglicht es, die erste Idee des Schöpfers zu haben und nach bestem Wissen und Gewissen zu beschließen, dem Weg zu folgen, oder ein wenig vom Weg abzukürzen, auf dem man sonst auf einigen Kurven seine Zeit bis zum nächsten Dorf vertrödelt.
Bleiben wir beim Problem der Karten des spanischen Königreiches. Wir werden so sehr im schönen Frankreich verwöhnt, die schönsten Karten der Welt zu lesen (und singen alle "les coqs de Gaule" 2 auf die Aussage dieser schönen Wahrheit…). Was die Spanier aus ihrer Sicht Karte nannten; carte" hier läßt uns lange Jahre notgedrungen Grimassen ziehen. Jedoch gibt es auch andere aus den Pyrenäen, vergleichbar mit unseren Karten der IGN national, (Centro Nacional de Información geográfica), die momentan gut zu gebrauchen sind und das Land im Maß-stab 1/25.000 und 1/50.000 kartografieren. Im Jahre 1993 sind allerdings zahlreiche Provinzen noch nicht abgebildet worden. Man müsste sich dann die militärischen Kartenblätter 1/100.000 verschaffen, die gewiss nützlich sind, um eine Kanone zu ziehen, ist aber armselig im Gebrauch für den Fußgänger.
Letzter Rat: Ein guter Wanderer, besonders wenn er gebirgige Regionen in Angriff nimmt, sollte nicht ohne seinen Kompaß weg-gehen. Es gibt ihn in allen Ausführungen und zu allen Preisen. Er zeigt hauptsächlich den Norden an, das Gegenteil des Südens. Er ist manchmal das einzige Mittel, das Geheimnis zu lösen, wenn die Karte nur eine schwarze Linie zeigt, während unter deinen Augen sich eine sehr schöne Gabel von zwei Wegen abzeichnet, gleich wichtig und gewiß ein wenig weiter im Unterholz endet.
Man fragt sich dann, was die Überlegung des Geographen war, um zu beschließen, nicht auf der seiner Karte einen einzigen Weg zu zeichnen; oder besser den rechten als den linken. Er, mit gut geheizten Füßen im Büro, macht wahrscheinlich munter ein via Satelit aufgenommenes Foto, das deutlich den rechten Weg hervorhebt, dass der linke Weg sich in den Brombeersträuchern verliert, er vergleicht, berechnet und nimmt im Allgemeinen die falsche Richtung. Danke an die Waden...
Unter diesen Umständen schätzt man die Dienste der kleinen magnetischen Nadel, die euch, ohne auf Widerstand zu stoßen, den richtigen Pfad anzeigen müsste. Außerdem kann man den Weg im Nebel leicht verwechseln und verläßt ihn als Herdentier... Er kommt auch an einem alten Eisenbergwerk an, hinterhältigerweise gerade an der Stelle, wo Sie unentschlossen sind, oder er wird umgeleitet; die Kompaßnadel weicht um 90 Grad ab und nimmt dir allen guten Glauben indem er dich ins Tal gehen läßt, welches du überhaupt nicht besuchen willst.

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