Es gibt einen langen Pfad, den GR 65, der Jakobsweg auf französischem Territorium, der "le Chemin de Saint-Jacques" genannt wird. Dieser Verlauf leiht sich ab Puy-enVelay, im Herzen der Auvergne bis Saint-Jean-Pied-de Port in großen Zügen die Reiseroute für die Wallfahrt aus. Am Fuß des Berges bei Roncesvalles schießt er an den "Camino Francés" an. Aber es existierten im Mittelalter unzähligen Wege vom Heiligen Jakobus, die durch ganz Europa gingen, die sich in Navarra trafen und nach Westen führten, um an der Spitze von Spanien anzukommen.
Man konnte von Le-Puy-En-Velay über die Region "Auvergne" ge-hen, aber ab Vézelay, in Burgund, über Saint-Gilles-Du-Gard, durch die Provence, von Paris, von Tours... Die englischen Pilger gingen oft an der atlantischen Küste an Land und setzten die Strecke zu Fuß fort, indem sie das Departement "Landes" durch-querten. Alle diese ehemaligen Wege vom Heiligen Jakobus sind geschichtsträchtig und durchstreifen sehr schöne Regionen. Also welchen Weg aus diesem Spinnwebennetz der potentiellen Pfade beschreiten?
Nach der Studie verschiedener Reiserouten habe ich mich schließlich für den Start in der Auvergne entschieden. Eben eine hübsche Region, sie stellt sich schon auf den ersten Meilen mit dem Vorteil dar, wild und ruhig zu sein. Schon nach dem Verlassen der Stadt Le-Puy ist man in die Fremde gegangen. Ich brauche ungefähr fünf Wochen, um ab Le-Puy die Pyrenäen zu erreichen, die Regionen und die folgenden Orte durchschweifend:
Zuerst die Haute-Loire, Monistrol, d'Allier und Saugues.
Dann das Plateau von Aubrac, von Aumont-Aubrac und dem Nasbinals.
Die Regionen Lot und Rouergue, durch Espalion, der Estaing, Conques und Figeac.
Quercy, über Cahors, Lauzerte und Moissac.
Die Region Landes, über Navarrenx, Saint-Palais und Saint-Jean-Pied-de-Port.
Schließlich das Erklettern der Pyrenäen über Port de Cize, um Roncesvalles auf spanischen Territorium zu erreichen.
Jenseits der Pyrenäen stellt sich das Problem nicht mehr. Es gibt theoretisch nur einen einzigen Verlauf, der Pamplona, Logroño, Burgos und León überquert. Der antike Weg vom Heiligen Jakobus, zu Beginn der Wallfahrt, in den Jahren um 800, führte er an der kantabrischen Küste entlang. Aber aufgrund der technischen Schwierigkeiten im Gelände, die zahlreichen Umwege und Höhen-unterschiede und die Einfälle der sarazenischen Piraten, gaben sie diese lange und gefährliche Reiseroute auf. Auch jene Reisenden gewöhnten sich an, sobald die Provinzen des Nordens Spaniens von den Mauren befreit wurden, etwas südlicher auf den Plateaus von Cas zu pilgern.
Leider ist ein großer Teil vom Hauptweg, "Camino francés", in der gegenwärtigen Zeit, eine provinzielle Bundesstraße geworden... Dann, zwischen den mit Gemüse beladenen 39-Tonnern und den mit Touristen gefüllten Autobussen zu wandern, auf Wegen die im Vorgebirge schlecht gepflastert sind, in dünnem Rauch des ibérico-französischen Diesels, dank dessen man gut vergiftet ist... Auf mei-ner Reise mit dem Auto hatte ich die Signalschilder des "Camino de Santiago" gut gesehen. Wogender Straßenverkehr auf den mich umgebenden Schnellstraßen ist nicht mein Fall. Das Vergnügen des Fortbewegens bedingt seine eigenen Kniekehlen, um durch Gegenden zu gehen, wohin das Auto nicht gelangen kann.
Zur größten Freude des Wanderns gibt es heute bestimmte Vereine, insbesondere in Navarra und Galicien, die die Weisheit hatten, Ersatzreiserouten anzubieten. Diese Jakobswege in Spanien ermöglichen es, auf richtigen Feldwegen zu gehen, wir werden leider auch sehen, dass andere Verantwortliche jedes Jahr tausende Pilger auf Wege senden, was sie "Camino" nennen und der nur der Straßenrand der Bundesstraße sind.
Ein Verzeichnis über das Durchqueren des Nordens Kastiliens hat-te bei mir einen Eindruck des Unwohlseins hinterassen. Man findet übrigens diesen Eindruck in mehreren Erzählungen von Reisenden wieder, die früher die Königreiche von Spanien durchreisten.
Kastilien ist nicht wirklich eine Wüste, aber es ähnelt ihr verdammt sehr. Man könnte denken, dass die gegenwärtige Landschaft das letzte Stadium vor der völligen Versteppung und der Sahelation des Landes ist. Bestimmte, auf dem Weg mir begegnende Personen haben mir gesagt, dass es früher Bäume in dieser Provinz zur Zeit der römischen Kolonisation, besonders alte und grüne Eichen, gegeben hatte. Eine Sache ist heute sicher: Es gibt sie nicht mehr. Der Norden von Kastilien ist ein riesengroßes umgepflügtes Feld, ohne Grenzen, in ockergelber Farbe im Winter, im Frühling grün und gelb im Sommer.1
Man kann hunderte Kilometer laufen, ohne einen einzigen Baum oder einen einzigen Schatten zu sehen. Die ganze Erde ist extensiv mit Getreide bepflanzt oder im Weinanbau kultiviert. Der Kult des Baumes ist wichtig für uns. Die Dörfer sind in der der Grenzen-losigkeit verloren, aus Lehm herausgehoben, ganz und gar ocker-gelb, ganz braun, ohne den Schatten einer Erinnerung an Grün-zeug. Noch nicht einmal eine unglückliche Linde, um darunter seinen Malagawein zu schlürfen, keinen Schatten einer Platane, um in ihrem Schutz eine Partie Boule zu spielen, ist zu finden.
Mexiko am Rand verschiedener Regionen Spaniens, die eine Oase zu sein scheinen... Ich zittere im voraus, wenn ich an die Quellen denke, die für das Leben des Esels und des Pilgers notwendig sind. Bevor ich gehe, frage ich mich: Kann es Bäche und Brunnen in diesen Millionen Hektar Staub geben? Ich werde die Antwort unter-wegs haben: Ich mache meine Reise in der Jahreszeit, das heißt im Frühling. Die Region bietet wenigstens ein bißchen Grün, die Felder des Getreides, die noch nicht abgeerntet sind und ich werde in den Tiefen der ein Netz von fließenden Bächen finden.
In diesem Sinne verschafft diese Harmonie, diese Ausdehnung der Erde, diese unendliche ausgedehnte Ackerfläche, die einschließlich der Hügel umgepflügt ist demjenigen kein Vergnügen, der sie be-wandert. Das ist eine "fabrikmäßig hergestellte" Erde. Die Men-schen, die dieses Land bewohnen, haben alles der ursprünglichen Vegetation entrissen und zerstört. Nirgends ein wildes Wäldchen, ein Rest einses Waldes, kein Ort, sich zu verstecken um die Vögel zu beobachten. Übrigens gibt es keine Vögel mehr, keine Wälder, keine Wiesen, keine Hecken, nichts mehr...
Man erblickt von Zeit zu Zeit Überlebende der eisernen Axt, einige ausgetrocknete Hektar, wo alte Pinien versuchen, ihre Wurzeln in den Boden zu tauchen. Von jetzt an ruhen sich in in diesem Mondlande nur Staubmoleküle aus, die man bittet, den Weizenstiel zu stützen, bevor die Dürre des Sommers alles gelb gefärbt hat. Solche Landschaften im Blick verstehe ich jetzt, dass die jungen Spanier von den Eroberungen in fernen Ländern geträumt hatten. Besser bei den Incas sterben als im Kummer eines kastellianischen Dorfes.
Manche finden diese Gleichartigkeit ohne Relief schön, ich gebe zu, für dieses Massaker mich zu beschweren und habe fast Lust, die Erde um Entschuldigung zu bitten. Und auch bei den Menschen, so wie ich, weil wir ein Erbe zu Schleuderpreisen verkauft haben, das wir nur mietet hatten. Wenn man über den Naturschutz spricht ist es unnütz über den Skandal in Brasilien zu reden. Unser Amazonien liegt im Süden von Bordeaux, ca. 500 Kilometer entfernt. Schließlich war sie... Aber er ist sicher zu spät, damit diese Region eines Tages wieder grün wird. Die kastillianische Erde hat die Bäume aus dem Gedächtnis verloren.
In dieser Phase der Suche nach der Reiseroute, um diese Pseudowüste zu vermeiden, hatte ich vorgehabt den ehemaligen Weg der Küste zu nehmen, den "Camino del Norte", der das atlan-tische Klima und Vegetation hat. Aber dieser Verlauf ist in keinem Führer beschrieben, während es vom Camino francés mehrere Autoren gibt. Jede Etappe dieses historischen Weges bringt ihren Gewinn, Denkmäler, die in acht oder neun Jahrhun-derten für die geistige und materielle Unterkunft des Pilgers gebaut sind.
Es war also beschlossen: Ich werde den Weg des Südens von Burgos und León nehmen. So wie die ehemaligen Pilger hatte ich jedoch nicht die Absicht, die Reiseroute peinlich genau einzuhalten. Unsere Wegbereiter erfanden schon damals munter riesengroße Umwege für das einzige Vergnügen, eine Reliquie zu verehren. Für Reisende, die Zeit genug haben, ist es eine Annehmlichkeit. Um von den Pyrenäen aus an die Spitze Galiziens zu gehen, zählte ich ungefähr fünf Marschwochen, indem ich täglich durchschnittlich acht Stunden am Tag wanderte, d.h. ungefähr 25 bis 30 Kilometer.
Um eine möglichst große Lehre aus dieser langen Reise zu ziehen war es für mich äußerst bedeutend, die Geschichte der Wallfahrt und der Pilger gut zu kennen und um nicht an den schönen Bau-werken dumm vorbeizugehen, denn ich wußte, daß ich niemals in meinem Leben eine solche Reise wieder machte. Ich habe mich also darangemacht, die besten über das Thema erschienenen Ar-beiten zu verschlingen un ich bin reicher geworden. Manche dieser Lehrbücher sind eine historische und geistige Betrachtungsweise des Weges, andere beinhalten eine Pilgererzählung nach der Rück-kehr der Reise. Diese drei Arbeiten haben mich am meisten geprägt.
"Beten Sie für uns in Compostela", Pierres Barret und
Jeans - Noël Gurgand, zwei Wanderer, die ihre Tour 1977 ge-macht haben. Ihr Buch ist eine ausgezeichnete Zusammen-fassung der Geschichte des Weges durch die Jahrhunderte und ein Register der besten Auszüge der Verträge, schon vor Jahrhunderten geschrieben.
"Begleiter von Compostelle", von René Crozet. Dieser Letzte ist im tiefsten Winter gemeinsam mit seinem elf Jahre alten Sohn und einigen Begleitern den Weg gegangen, im traditionellen Kostüm des antiken Pilgers, der Umhang aus groben braunen Wollstoff, ein großer Hut und Stock. In ihrer Geschichte aus dem dreizehnten Jahrundert ist zu lesen, denn sie ist eine sehr voll-ständige Kurzfassung dessen, was man unterwegs lassen sollte, und es enthält die einzelnen Bestandteile, um die Reise in die Hölle zu verändern.
"Le Codex Calixtinus", in lateinisch im dreizehnten Jahrhundert von Aymeri Picaud, ein rechtschaffener Mönch aus der Region Poitiers geschrieben und von Jeanne Viellard ins französische übersetzt. Trotz seiner acht Jahrhunderte ein erstaunlich modernes Buch.
Verschiedene Jakobsweg-Vereine beschaffen den "Pass", welcher früher vom Bischof ausgestellt wurde, der die Türen der Klöster und der Herbergen auf dem Weg öffnete. Dieser Pass wird "Carte du pèlerin" auf französisch und "credencial del peregrino" auf spanisch genannt. Diese Karte hat keinen großen Nutzwert auf der französischen Reiseroute, weil niemand sie jemals, weder den in den Abteien noch in den Wanderhütten verlangt.
Mit diesem Dokument und verschiedener aufgebrachter Stempel erhält der Pilger bei der Ankunft seiner Reise, im Büro der Wall-fahrten, nahe der Kathedrale von Santiago, seine " Compostela ". Dieses beglaubigte Zeugnis ist auf latein geschrieben. Der Stolz des damaligen Pilgers hielt ein Leben lang an. Dieses Papier ermöglichte auch Verurteilten und Verbrechern, die Wallfahrt im Zeichen der Buße auszuführen und um sich bei seiner Rückkehr vor dem Gericht freisprechen zu lassen, welches ihn verurteilt hatte.
Heutzutage wandern aber zahlreiche Pilger ohne Pilgerausweis, sie lassen sich ein einfaches Papier oder sogar eine Seite der Bibel abstempeln. Manche gehen sogar wie in guter alter Zeit mit einem Beglaubigungsschreiben kirchlicher Behörden.
Das spanische Büro in der Abtei von Roncesvalles, das das "credencial del peregrino" aushändigt, ist anspruchsvoll und stellt das wertvolle Dokument aus nur, wenn man seine Pilgerqualität beweisen konnte. Es scheint jedoch, dass die Tatsache; ab Puy-en-Velay oder Vézelay zu gehen ausreicht, in der guten Kategorie klassifiziert zu werden. Dieses " credencial del peregrino" ist auf spanischem Gebiet für alle sehr wichtig, die kein Zelt bei sich haben, sie gibt kostenlosen Zugang zu allen "Refugios" des Weges.
Anmerkung von mir: Aber auch Frankreich übt sich in extensiver Landwirtschaft, dieses Land ist nur mit mehr Wasser gesegnet, welches allerdings radioaktiv verseucht sein soll. In Spanien gibt es allerdings ein weiteres Problem: Die Stauseen in den Pyreneen, die Erdrutsche und Erdbeben verursachen. Davon wird im Original nichts erwähnt, weil der neueste Stausee erst 2005 entstanden ist. Aus diesem Grunde wurden dort von der spanischen Regierung Seismografen verteilt, um eventuelle Gefahren rechtzeitig erkennen zu können. Einen entsprechenden Artikel gibt es auf der Internetseite www.YESANO.com
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