Donnerstag, 5. Februar 2009

Pilgerreise: Wo schlafe ich...

Wo schlafe ich heute Abend? Diese Frage stellt sich jeder Wanderer normalerweise, der sich nicht vorstellen kann, im Stehen zu schlafen, sondern im Liegen. Na, das wird im Hotel der Gottesgunst sein. Mein Wanderzelt, leicht und bequem, bietet mir ein trockenes und intimes Schutzdach auf irgendeiner Oberfläche von vier Quadratmetern an.
Es ist ein tiefgründiges Vergnügen, das fast unbeschreibbar ist, das sicherlich auf unsere barbarischen und nomadischen Vorfahren zurückgeht, abends an einer Ecke des Waldes, in einer hübschen Waldlichtung oder auf den Ufern eines melodischen Baches anzuhalten. Man fühlt sich ganz einfach wunderbar wohl, mitten in der Natur, weit weg von allen Kunstgriffen der Zivilisation. In diesem Augenblick bemerkt man, dass die Bequemlichkeit, ein trockenes Daunenbett und der ganze Rest ein angenehmes Gut ist, das wirklich nicht erforderlich ist.
Das kleine Zelt, das mir als Unterkunft dient ist ein leichtes Zelt der Marke "Corsica" und von einem alten Camper gebaut, das meine Feriennächte seit 20 Jahren schützt. Eine einzige Person kann es in wenigen Minuten aufbauen. Der Baumwolstoff ist so dicht gewebt, dass man es auf einer Wanderung ohne doppeltem Dach benutzen kann - das ist ein Qualitätsbeweis - abgesehen davon ist es nicht beabsichtigt, dafür Werbung zu machen, aber eine Anerkennung der Qualität des Produktes, das leider aus dem Katalog verschwunden ist.
Der Vorteil des doppelten Daches ist die kleine Apsis, die es möglich macht, einige Gegenstände gegen die ungünstigen Witterungsverhältnisse zu schützen, die nichts im Zelt zu suchen haben, wie nasse Schuhe und das Geschirr des Esels. Dieses ermöglicht es auch, im Trockenen zu kochen, ohne zu riskieren, das Kochgeschirr auf dem Boden des Zeltes umzukippen. Und, wenn sich der dichte Nebel im Morgengrauen gelegt oder wenn es geregnet hat, wird nur das doppelte Dach nass, das man später im Laufe des Tages trocknen läßt. Das ist eine Frage der Ordung und Disziplin.
Diese vier Quadratmeter Stoff schützen meine einzige Bequemlichkeit. Und es ist keine Frage, es läßt nicht die kleinsten Wassertropfen durch, die ganze Welt kann in der Sintflut ertrinken, ich lege Wert darauf, im Trockenen zu schlafen.
Vor meiner Abreise habe ich mit einem abdichtenden Produkt alles großzügig getüncht, was ein Leckrisiko darstellte: das Zelt, der Umhang und alle Stoff- oder Nylonstaschen. Aber kehren wir auf die Frage der Unterbringung zurück.
Um warm und angenehm zu schlafen, lege ich auf dem Zeltboden einige Schaffelle aus Wolle aus, die sehr dick, kaum gegerbt, die von einer fernen Reise durch Schottland stammen. Eh ja, im gewissen Alter hat man ein bißchen Bequemlichkeit gern. Übrigens werden alle Schafe es Ihnen in ihrer Sprache sagen, es ist verrückt, dass man auf einem Schafffell gut schläft: Die Unebenheiten des Bodens werden gedämpft und man wird vollständig von der Kälte und der Feuchtigkeit des Bodens isoliert.
Allerdings gibt es eine immer wiederkehrende Konstante, immer wenn ein Camper sein Zelt aufbaut und ignoriert, daß er auf einer Matratze übernachtet: Im dem Augenblick, in dem er sich ungesittet und fröhlich in die Wärme seiner Federn gleiten läßt und sich plötzlich auf den Rücken mit einem Glücksseufzer nach den Anstrenungen des Weges fallen lässt, hört man denselben Ton immer: "Au"
Dieser Schrei, das ist die Begegnung mit den Wirbeln mit dem kleinen Kieselstein, oder das Stück der Wurzel, die genau unter der Bodenplane da ist und die dich die ganze nacht hindern wird zu schlafen. Bevor du das Zelt aufbaust, kannst du kehren, reinigen, mit den Händen das Gras durchsuchen, scheren, auf den Zentimeter genau abmessen, abschätzen, du kennst es gut, es wird immer einen hinterhältigen Kieselstein unter dem dritten Lendenwirbel geben. Das Schafffel, es ist dick genug um die Gemeinheiten eines gemeinen Steinchens nicht großartig zu bemerken. Außerdem erlaubt eben das Eselchen diese weiche Art. Ich habe noch nie Bergsteiger gesehen, die auf dem Rücken ein Schafffell schleppen, um darauf am kommenden Abend zusammenzurollen... Das moderne Schafffell, diese kleine ultraleichte Matratze thront auf jedem guten Rucksack. Aber für die Knochen des vierzigjährigen Pilgers ist das ein klein wenig zu hart.
Man kann ein Zelt sogar erwärmen, wenn die äußerliche Feuchtigkeit zu durchdringend ist. Eine einfache am Mast aufgehängte Kerze genügt und die innerliche Temperatur wird um einige Grade sehr schnell zunehmen. Die Operation ist ziemlich gefährlich, weil man jede rasche Bewegung vermeiden muss, um das Lager nicht zu in Brand stecken. Zusätzlicher Vorteil: Die Kerze erleuchtet das Innere, daß man wach bleiben und ein gutes Buch lesen kann. Lacht nicht, die Eskimos benutzen die Methode seit Tausenden Jahren in den Tiefen ihrer Iglus.
Außer dieser Freiheit anzuhalten, wo ich will und zu campen, gibt es eine Menge der anderen Möglichkeiten: Die Wanderhütten, die an den Wegen der Route liegen und eine ziemlich rustikale Bequemlichkeit ermöglichen, von Zeit zu Zeit eine warme Dusche zu nehmen und anderen Wanderern zu begegnen. Der Übernachtungspreis liegt bei 40 Franc (6 €), die meißtens von Kommunen angeboten werden. Auf spanischem Gebiet gibt es "Refugios", die Entsprechung unserer gîtes d'étape.
Diese Refugios sind gratis, für Pilger mit Credencial del peregrino, aber jeder der will hat die Möglichkeit, einen Obolus in eine Dose zu tun. Die Mehrzahl gut erhalten, neu oder renoviert und hat nichts mehr mit den antiken Hütten zu tun, über die die Ehemaligen der Wallfahrt sprechen. Viele Klöster, die früher in Spanien die Aufnahme des Pilgers sicherten, machen es nicht mehr, dieses Amt wird von den neuen Refugios übernommen, die im Allgemeinen von der Gemeinde geführt werden.
Im Laufe des heiligen Jahres 1993, vor dem voraussehbaren Pilgerzuflusses, hat die Regierung der Provinz von Castilla y León, neben diesen Asylen zusätzliche Zeltstationen aufgebaut. Diese Stationen bestehen aus großen Zelten, die mit Matratzen ausgestattet sind und neben den Dienstgebäuden stehen, die Duschen, Toiletten, Speisesaal und Animation bieten. Ich werde da mehrere Nächte verbringen, weil die Aufnahme dort von Jugendgruppen organisiert wird, die sind sympatisch und ich werde das Vergnügen behalten, im Freien zu schlafen.
In Frankreich gibt es auch Zimmer in Dorfhotels und einige Klöster, die Wanderer aufnehmen. In Spanien kann man nach Unterkünften fragen, die "fondas", die kleine Gasthöfe sind. Sie nehmen circa 60 francs pro Nacht. Diese "fondas" bieten ein Tagesmenü am Abend und ein Frühstück zu vernünftigen Preisen. Eine Mahlzeit, ein Brot, ein Wein und ein Dessert, kostet im Jahr 1993 ungefähr 700 Pesetas, d.h. (5 €) oder 32 Franc1.
Es ist möglich in einem Zimmer bei Privatpersonen zu schlafen, aber diese Möglichkeit wird in Spanien niemals angeboten. Man muss also in den Bars fragen, ob es in der Umgebung "casas particular" gibt. Sie werden da ein Bett finden, aber praktisch niemals die Mahlzeit oder das Frühstück.2
Es gibt auch die gute alte Gastfreundschaft auf den Bauernhöfen, in einer Ecke im Stroh, mit einer trockenen Gratisprämie vor Ort für das Langohr. Leider gibt es so viele Geschichten, in denen die Gastfreundschaft der Landwirte oft schlecht belohnt wurde. Man läuft mit dieser Forderung Gefahr daß einem das Dach verweigert wird. Darüber hinaus ist die erste Empfehlung des Bauern, der der Besitzer der Scheune, ist: "Machen Sie vor allem kein Feuer und rauchen Sie nicht." Ich rauche zwar nicht, aber es ist schwierig ohne Feuer die Suppe zu erwärmen. Einigen Gurus gelingt es vielleicht durch Anstarren des Blechnapfes das Wasser zum Kochen zu bringen ... Aber wir anderen, mittelmäßige Pilger sind weit weg von dieser Perfektion, man kann ihn immer mit unseren Augen anschauen, die Augen die ganze Nacht auf die Brühe heftend, die Suppe ist am entstehenden Morgengrauen immer noch so kalt wie vorher...
Das ganze Problem der Übernachtung hängt vom Budget ab. Zehn Wochen lang täglich ein Hotel zu zahlen oder in einer Wanderhütte zu übernachten übersteigt meine Finanzen. Wenn ich wählen kann, ziehe ich bei weitem lieber meine Daunenecke in meinem kleinen Stoffhaus vor. Das ist warm, sauber, intim und still und ich bin niemandem etwas schuldig.
Den Pilgern ist dennoch zu empfehlen, nach der Gastfreundschaft zu fragen. Effektiv zwingt diese Bitte zu bestimmter Demut, weil, so arm die Hausgemeinschaft hinter der Tür auch immer ist, an der du geklopft hast um um eine Strohecke zu betteln, sie ist in diesem speziellen Moment reicher als du, der strenggenommen nichts hat. Das Verhalten des Gastgebers kann dann darin bestehen, dir die Tür vor der Nase zuzumachen, entweder, weil ihm der vorige Wanderer seinen Tabakbeutel gestohlen hat, vielleicht hält er sich für zu arm, um dir etwas anzubieten, was für deine Würde respektabel ist, oder hat er es ganz einfach satt, seine Fernsehnachrichten niemals ganz ansehen zu können. Man muss dann zulassen, dass eine Tür sich schließt. Alles in allem ist niemand verpflichtet, dich aufzunehmen.
Was würdet ihr machen, liebe Leute, wenn eines Abends an eurer Tür ein Jakobspilger mit Rucksack auf dem Rücken klopften und sagt, er gehe nach Galizien und erbittet ein Fleckchen Beton auf dem Boden eurer Garage, um dort trocken zu schlafen?
Wenn man unter allen Umständen die Nacht gut und friedlich verbringen will, ist es unerlässlich, die kleinen berühmten Ohropax zu haben. Jeder Latainer erinnert sich an dieses Wort in der vierten oder fünften Deklination, das "Ruhe" bedeutet. Das sind zwei Stücke aus Wachs oder Schaums, die man in seine Ohren drückt und die eine laute Umwelt in ein Paradies umwandeln. Diese Accessoires sind in einem überfüllten Schlafsaal noch nützlicher, oder der in der Nähe einer Hauptstraße liegt...
Ein charakteristisches Merkmal der spanischen Sommernächte, die jeder Tourist gut kennt ist die Unmöglichkeit zu schlafen solange die Einwohner nicht selbst im Bett sind, was immer sehr spät nachts geschieht. Der spanische Sprachraum ist wirklich nicht besonders reich an sanften Klängen und wenn zwei Spanier zu nächtlicher Stunde unter ihren Zitrusbäumen im Garten nett diskutieren ist es laut genug, um alle Leute des gesamten Dörfchens wachzuhalten, ebenso die tapferen Wanderer, die von ihrer dreißig Kilometer langen Wanderung müde sind. Ich habe es gesehen: Die zwei nächtlichen Gärtner pfeifen drauf und später, am folgenden Tag werden sie wieder putzmunter in der Sonne stehen.
Und dieser Dialog ist eine optimistische Hypothese. In Wirklichkeit sind es in der Regel ein gutes halbes Dutzend Spanier, dazu ihre bessere Hälfte, die über alles und nichts plaudern, aber doch alle zusammen, nur um Lärm zu machen. Es ist also wichtig den Platz anzustreben, wo der Halt ohne diese nächtliche Lärmbelästigung entsprechend möglich ist. Es ist besser das Zelt an einem einsamen Platz aufzubauen oder sein Zimmer weit weg vom Plaza Mayor und auf keinen Fall über einem Saal eines Bistros zu wählen.
Auf die Gefahr hin, dass ich mich zum beschränkten Spanien-Gegner mache, behaupte ich, weil ich es mehrmals erlebt habe, dass die Anzahl der Sterne der Hotels, auf die man sich verlassen könnte um auf eine ruhige Nacht zu hoffen, keine Garantie ist. Man muß, egal ob in einem spanischen Zimmer oder in einer Pension, sich an ihre Sitten anpassen. Wenn vier Personen nach Mitternacht über Politik mit abweichenden Meinungen sehr laut in einem Hoteleingang zu diskutieren, ist es kein Fehler ihrer Lebensart. Für sie ist in ihren Gedanken zu dieser Stunde noch Tag.
Die Nacht fängt erst gegen 2 Uhr morgens an... Vorher schlafen nur die Touristen, wenn sie können...
Aber man muss die Unterschiede zwischen den spanischen Touristen und dem Jakobsweg beachten. Die Vorschriften in den spanischen "Refugios" ist sehr streng. Jedes Geräusch ist nach 22 Uhr verboten, die Türen werden um 23 Uhr geschlossen und alle sollen um 8 Uhr morgens die Herberge geräumt haben. Ein Spanier auf Wallfahrt folgt also ungefähr demselben Rhythmus wie jeder andere Europäer. Umso stärker ist der Wunsch, Ruhe zu haben, das Zelt einzupacken, aus Sorge der unterschiedlichen Zeitpläne.

1 Kommentar:

  1. ganz so schlimm ist es nicht mehr. Die Refugios sind völlig ausreichend und reichlich vorhanden. Es muß sich niemand mehr mit einem Zelt abschleppen.

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